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Unbekannte(r) Meister

Bauskulpturen aus dem Hochchor der Sint-Jan-Kathedrale, 's-Hertogenbosch
Fiedler und Lautenspieler
Mann mit Keule und Schild
Zwei Männer mit Schwert und Schild
Frau mit offenem langem Haar
Mann der einen Krug in einem Becher entleert
's-Hertogenbosch, 1390-1425
Tufstein
Sammlung 's-Hertogenbosch, Sint-Jansmuseum, De Bouwloods

Rund 1380 wurde in 's-Hertogenbosch mit der Ausführung eines ambitiösen Neubauprojekts begonnen: Eine brabantisch-gotische Kapitelkirche, der heutige Sint-Jan, musste die bestehende romanische Stadtkirche ersetzen. Diese Skulpturfragmente stammen von einer Reihe Wimperge, die im Hochchor des Sint-Jan angebracht waren. Solche Wimperge sind in der brabantischen Gotik außergewöhnlich, aber kamen in Frankreich regelmäßig vor. In den Très Riches Heures haben die Brüder Van Limburg ebenfalls solche architektonischen Verzierungen aufgenommen. Die Figuren des Sint-Jan sind von erstaunlich hoher Qualität. Sie zeigen mehrere charakteristische Details, wodurch sie in die Spätphase der Internationalen Gotik von ungefähr 1400 eingestuft werden können. Achte besonders auf die modischen Hüftgürtel, die engen Hosen und die sogenannten Hodendolche, die ihren Namen ihrer Form verdanken. Auch das Schild und die Feldflasche mit Becher weisen Formen auf, die für diese Zeit kennzeichnend sind. Die Tradition in der diese anonymen Bildhauer arbeiteten, formte auch die Brüder Van Limburg. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass es manchmal unerwartete Übereinkünfte gibt. Das ist gut an der Frau mit offenem Haar zu erkennen. Sie zeigt erstaunliche Ähnlichkeit mit der Frau vor dem Kreuz in der Miniatur der Beweinung Christi aus den Belles Heures der Gebrüder (siehe Abbildung und Nr. 99). Die Gebrüder entliehen diese Figur italienischen Tafeln in Frankreich. 'Exportierten' sie - oder andere - vielleicht dieses Motiv in den Norden?

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