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La Grande Chartreuse Diocrès erklärt die Heilige Schrift

Les Belles Heures de Jean de Berry
Paris oder Bourges, 1405-1408/09
Tempera-Farbe, Gold und Tusche auf Pergament
Sammlung New York, The Metropolitan Museum of Art, Cloisters Collection

Das Herz der Ausstellung bilden zehn Doppelseiten aus den Belles Heures. Die Brüder Van Limburg fertigten dieses wunderschöne Stundenbuch zwischen 1405 und 1408/09 im Auftrag ihres Brötchengebers Jean de Berry. Es ist die einzige Handschrift, die sie ganz vollendet haben. Das Metropolitan Museum of Art in New York, das die Handschrift gegenwärtig bewahrt, entschied sich für eine Restaurierung des Buches und der Herstellung einer Faksimile-Ausgabe. Aus diesem Grunde mussten die Doppelseiten aus ihrem Einband genommen werden. Dies bot die Gelegenheit, um in dieser Ausstellung zum ersten Mal - und wahrscheinlich für lange Zeit zum letzten Mal - so viele Miniaturen aus diesem Werk in Spitzenqualität zeigen zu können.

Die stille Miniatur zeigt das Mutterkloster des Kartäuserordens, La Grande Chartreuse bei Grenoble. Dieses Gemälde ist ein für diese Zeit seltenes Beispiel für einen beinahe reinen topografischen Entwurf. Die zentrale Darstellung ist nämlich das Kloster mit der imposanten Kapelle und der für die Kartäuser so typischen Einzelzellen rund um den Klostergang. Vor der Abtei liegt ein See, der angesichts des Anglers und der Boote ein bei Fischern beliebter Platz zu sein scheint.
In der Miniatur daneben sehen wir den Theologen Raymond Diocrès bei der Arbeit hinter einem eindrucksvollen Katheder. Um ihn herum sitzen verschiedene schreibende Gelehrte und Studenten. Diese Miniatur bildet hiermit eine prachtvolle Illustration damaliger Schreibarbeit mit den dazu gehörigen technischen Utensilien.

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