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Die Beweinung Christi
Die Grablegung

Les Belles Heures de Jean de Berry
Paris oder Bourges, 1405-1408/09
Tempera-Farbe, Gold und Tusche auf Pergament
Sammlung New York, The Metropolitan Museum of Art, Cloisters Collection

Das Herz der Ausstellung bilden zehn Doppelseiten aus den Belles Heures. Die Brüder Van Limburg fertigten dieses wunderschöne Stundenbuch zwischen 1405 und 1408/09 im Auftrag ihres Brötchengebers Jean de Berry. Es ist die einzige Handschrift, die sie ganz vollendet haben. Das Metropolitan Museum of Art in New York, das die Handschrift gegenwärtig bewahrt, entschied sich für eine Restaurierung des Buches und der Herstellung einer Faksimile-Ausgabe. Aus diesem Grunde mussten die Doppelseiten aus ihrem Einband genommen werden. Dies bot die Gelegenheit, um in dieser Ausstellung zum ersten Mal - und wahrscheinlich für lange Zeit zum letzten Mal - so viele Miniaturen aus diesem Werk in Spitzenqualität zeigen zu können.

Der nackte und noch stark blutende Körper von Christus wurde gerade vom Kreuz genommen. Maria, vom Tode ihres Sohnes tief betrübt, wird von Johannes getröstet. Dieser kann selbst seine Emotionen kaum bezwingen, wie die vor seine Augen gehaltene Hand bezeugt. Eine andere Frau legt ihre Hand auf das Haupt von Maria. Hinter ihnen reisst sich eine Frauengestalt - vermutlich Maria Magdalena - in einer dramatischen Gebärde vor lauter Ratlosigkeit das Haar vom Haupt. Dies ist ein Motiv, das aus der italienischen Tradition stammt.
Hierauf folgt die Grablegung des Verstorbenen. Maria küsst zum Abschied das letzte Mal die Hand ihres Sohnes. Joseph von Arimathea und Nikodemus, von einer dritten Person geholfen, der wir auf den Rücken schauen, legen den Körper von Christus ins Grab. Erneut sehen wir hier eine von Kummer überwältigte Frau - vermutlich wiederum Maria Magdalena - die sich verzweifelt die Haare vom Haupt reisst.

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